Das neue Teilhabechancengesetz hat im Landkreis Rastatt schon 32 Langzeitarbeitslose in Arbeit gebracht

 

Zeitungsartikel vom Badischen Tagblatt 21.11.2019
 

Herr Zöller, 60 Jahre alt und siebenfacher Vater, weiß, wovon er spricht.
Er war selbst fünfeinhalb Jahre lang arbeitslos – und hat den Sprung ins Arbeitsleben geschafft.

 

 

 

 

 

Bild: BNN 21.11.19, Collet
Zurück auf dem Arbeitsmarkt bringt Wolfgang Renschler (von links) mit der Stelle in seinem Blumenfachgeschäft Rainer Zöller. Er
profitiert vom Teilhabechancengesetz, das der Bundestagsabgeordnete Kai Whittaker positiv beurteilt.

 

Von Thomas Trittmann
 

Rastatt – „Die Leute sollen sich ruhig mehr trauen und sich nicht in ihr Schneckenhaus

zurückziehen“, sagt Rainer Zöller. Der Rat richtet ich an Langzeitarbeitslose, und Zöller,

60 Jahre alt und siebenfacher Vater, weiß, wovon er spricht. Er war selbst fünfeinhalb Jahre

lang arbeitslos – und hat den Sprung ins Arbeitsleben geschafft.

 

„Das war ein großes Hurra in der ganzen Familie“, berichtet Zöller von dem Tag, an dem klar war,

dass er einen Job bei der Firma Blumen Renschler in Rastatt hat. Geholfen hat Zöller dabei das

Teilhabechancengesetz der Bundesregierung, das am 1. Januar 2019 in Kraft getreten ist und das

Langzeitarbeitslosen eine neue Jobperspektive eröffnen soll.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Kai Whittaker und der Geschäftsführer des Jobcenters Rastatt,

Jürgen Walke, hatten gestern zu einem Pressegespräch geladen, um die Erfolge des Gesetzes vorzustellen.

 

Rainer Zöller ist einer von bislang 32 Langzeitarbeitslosen im Bereich des Rastatter Jobcenters,

die mithilfe des Gesetzes wieder in Arbeit gekommen sind. „Alleine hätte ich es nicht geschafft“, sagt Zöller

und berichtet von erfolglosen Bewerbungen. Zu alt, nicht gesund genug, habe es geheißen.

Das Teilhabechancengesetz sorgt einerseits dafür, dass das Jobcenter spezielle Betriebsakquisiteure

bereitstellt, die Arbeitgeber finden, die einen Langzeitarbeitslosen einstellen würden. Und es sorgt

andererseits dafür, dass den Firmen dafür finanziell unter die Arme gegriffen wird. In den ersten

zwei Jahren übernimmt die öffentliche Hand den Arbeitslohn komplett, in den folgenden drei Jahren

sinkt der Anteil dann langsam bis auf Null. Ein  Coach dient zudem als Ansprechpartner für Arbeitgeber

wie Arbeitnehmer.

Wolfgang Renschler, der seit dem 1. Juni Zöllers Chef ist, sagt: „Das ist auch eine

Frage der Einstellung. Wir als Arbeitgeber haben ja auch eine gewisse Verantwortung für unser soziales

Umfeld.“ Er ist zufrieden mit seinem neuen Mitarbeiter, und der ist zufriedenmit seinem Arbeitgeber:

„Ich fühle mich gut aufgehoben.“ Das Ziel der Maßnahmen, sagt Whittaker, sei, „Menschen so viel

Stabilität zu geben, dass sie in der Arbeitswelt bestehen können.“ Und: „Wir wollen alles tun, damit sich

Arbeitslosigkeit nicht vererbt, damit es Kinder nicht als Normalität erleben, dass man nicht arbeitet.“

 

Die 32 Menschen, die in den zurückliegenden Monaten im Landkreis Rastatt wieder in Arbeit gebracht

worden sind, verteilen sich halbe-halbe auf Privatunternehmen und karitative Einrichtungen, wie

Walke sagt. Dabei gehe es nicht um Ein- Euro-Jobs oder Ähnliches. „Alle haben ganz normale Arbeitsverträge.“

Schade findet Whittaker, dass sich die Kommunen in ihrer Funktion als Arbeitgeber bislang sehr zurückhalten

bei der Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen. mDas Jobcenter Rastatt hat etwa eine Million Euro jährlich

zur Verfügung, um das – zunächst auf fünf Jahre befristete – Gesetz umzusetzen und Menschen eine Chance auf

Teilhabe zu eröffnen. Theoretisch kämen etwa 1 000 Menschen im Landkreis infrage – was praktisch gehe, das

hänge nicht nur vom Geld, sondern auch von den personellen Ressourcen des Jobcenters ab, sagt Warnke.

Wer als Arbeitgeber Interesse an dem Programm  habe, der könne sich ans Jobcenter Rastatt wenden,

Ansprechpartner sei der Betriebsakquisiteur Roland Stolz.

 

 

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