"MitArbeit" neue Teilhabechancen für Langzeitarbeitslose

 

Zeitungsartikel vom Badischen Tagblatt 15.12.2018

(auf dem Bild von links nach rechts: Jürgen Deck, Martin Geiser, Roland Stolz, Thomas Schoeck)

 

Unter dem Titel „MitArbeit“ hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales ein Gesamtkonzept zum

Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit vorgelegt. Als Teil dieses Konzepts schafft das Teilhabechancengesetz

mit zwei neuen Fördermöglichkeiten neue Chancen für Langzeitarbeitslose auf dem allgemeinen und sozialen Arbeitsmarkt.

 

 

„Denn trotz der guten Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind immer noch knapp 800000 Menschen

langzeitarbeitslos“, berichtet Fritz Karl, Teamleiter im Jobcenter des Landkreises Rastatt. Er weiß: Je länger die

Suche nach Arbeit erfolglos bleibt, desto schwieriger wird der Weg zurück in Arbeit. Daher brauchen die

Betroffenen Unterstützung, die individuell auf sie ausgerichtet ist.
 

Zum 1. Januar 2019 tritt voraussichtlich das Teilhabechancengesetz in Kraft. Mit den beiden neuen Förderungen

unterstützt die Bundesregierung Arbeitgeber durch Lohnkostenzuschüsse, wenn sie Personen der

jeweiligen Zielgruppe einstellen. Die beiden neuen Förderungen betreffen dabei zwei unterschiedliche Zielgruppen.

Von der neuen Förderung „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ können Menschen profitieren, die über 25 Jahre

alt sind, für mindestens sechs Jahre in den letzten sieben Jahren Arbeitslosengeld II bezogen haben und in dieser

Zeit nicht oder nur kurzzeitig beschäftigt waren.

 

Die andere Zielgruppe umfasst Personen, die seit mindestens

zwei Jahren arbeitslos sind. Unternehmen, die Personen einstellen, die mehr als sechs Jahre SGB II-Leistungen

erhalten haben, können mit einem Zuschuss für das Gehalt des neuen Mitarbeiters gefördert werden. „In

den ersten beiden Jahren sind das 100 Prozent des Mindestlohns“, berichtet Roland Stolz, Betriebsakquisiteur

beim Jobcenter in Rastatt und fügt hinzu: „Sollte der Arbeitgeber tarifgebundenoder tariforientiert sein,

dann wird das tatsächlich gezahlte Arbeitsentgelt berücksichtigt.“ In jedem weiteren Jahr verringert sich der

Zuschuss um zehn Prozent und die Förderung dauert maximal fünf Jahre. Zudem können während der Förderung

erforderliche Qualifizierungen und Praktika bei anderen Arbeitgebern finanziert werden.

Unternehmen, die Personen einstellen, die mehr als zwei Jahre arbeitslos waren, erhalten einen Zuschuss für

zwei Jahre. Im ersten Jahr in Höhe von 75 Prozent des regelmäßig gezahlten Lohns und im zweiten Jahr

50 Prozent. „Darüber hinaus können die ehemaligen Langzeitarbeitslosen im gesamten Förderzeitraum Qualifizierungs-

und Weiterbildungsmaßnahmen nach den allgemeinen Regelungen in Anspruch nehmen“, sagt Betriebsakquisiteur

Martin Geiser und fügt hinzu: „Bei beiden Förderungen unterstützen Coaches die ehemaligen Langzeitarbeitslosen

dabei, im Berufsleben wieder Fuß zu fassen“. Dies geschieht in dem sie unter anderem bei Problemen am neuen

Arbeitsplatz, in der Familie oder bei Schwierigkeiten mit der Organisation des Alltags helfen. Mit intensiver

Betreuung, individueller Beratung, wirksamer Förderung und der gezielten Suche nach passenden Arbeitgebern

schaffen die Förderungen neue Perspektiven für die, die ohne Unterstützung absehbar keine realistische Chance

auf einen regulären Arbeitsplatz haben. Denn Arbeit zu haben und für sich selbst sorgen zu können, ist eine Frage

der Würde und der Teilhabe, so Fritz Karl.

 

Wer als Arbeitgeber mit dem Gedanken spielt, einen neuen Beschäftigten einzustellen, kann dies mit einer

Förderung durch eines der beiden neuen Regelinstrumente nach dem Teilhabechancengesetz verbinden.

Das Jobcenter sollte dabei explizit nach einer Förderung über § 16e oder § 16i SGB II (neue Lohnkostenzuschüsse)

gefragt werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informieren dann gerne über die Details und schauen, ob

der interessierte Arbeitgeber für eine Förderung in Betracht kommt und ob ein passendes Angebot vorliegt.

Wenn nicht, kann das Jobcenter auch auf der Suche nach einem passenden Arbeitgeber unterstützen. (sb)
 

 

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